WR - Siegen, 14.09.2009, Eric Schumacher
Das Ambiente stimmte und thematisch passte die Musik sicherlich zu den politischen Zielen des „Vereins Deutsche Sprache”: Jetzt spielten Ralf Schaufler und Dieter Korstian zum Kaffeekonzert im Haus Oranienstraße 9.
In Gründerzeit-Umgebung führten die beiden das Beste aus Popmusik der zwanziger und dreißiger Jahre auf. Dieter Korstian imitierte den etwas nasal-schneidenden Klang des Gesangs wie er sich auf Schellackplatten erhalten hat. Erheiternd auch die Bühnenaussprache, die man bei den Original-Aufnahmen noch oft hören kann. Das ging einher mit seinem trockenen Humor: „Wolfgang Amadeus Mozart war ein großartiger Komponist . . . Von ihm hören Sie jetzt: Nichts.” Auch seinen Pianisten Ralf Schaufler band er mit ein: „Das folgende Lied spielen wir auf Empfehlung meines Pianisten. Ich selber kann dem Text überhaupt nichts abgewinnen.” Es folgte: „Man müsste Klavier spielen können” von Johannes Heesters, das Lied, in dem es um die betörende Wirkung des Klavierspiels geht. Überhaupt waren Rivalitäten unter Musikern nicht tabu bei dem Konzert. So hieß es zwischendurch auch „Guck' doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin” und „Ich hab' doch auch ganz schöne Linien”.
Ein leiser Humor zum Schmunzeln, der da aus den alten Schlagern hervor sprach und der der teilweise skurrilen Wortwahl geschuldet war. Aber auch der Stilbruch zwischen Teils sorgfältiger musikalischer Komposition und unvermittelt plattitüdenhaften Krachreimen hat seinen Reiz. Ein Humor, den man andererseits in der neueren deutsprachigen Schlagermusik oft vergebens sucht - mit Ausnahme vielleicht der Stücke von Götz Alsmann oder Max Raabe. Mehr Musik mit Texten wie Korstian und Schaufler sie vortrugen und eine Quotenregelung für das Radioprogramm würde Sinn machen. es